
Ich habe gestern eine E-Mail von Karo bekommen. Für die, die sich auch Sorgen um sie gemacht haben, weil schon ewig nichts von ihr gehört: ihr geht´s gut
Warum ich das hier schreibe, ist eine andere Sache. Karo hatte nämlich die Frage, wie es sich hier als Frau so lebt und ob ich schon die Einheimischen kennen gelernt habe. Diese Frage fand ich ziemlich cool und dachte, das würde viele interessieren. Deswegen geht es hier um das Frausein in Dubai, natürlich aus meiner sehr eigenen Perspektive.
Es ist vielleicht ganz anders, als sich das viele vorstellen. Im Vergleich zu fast allen anderen arabischen Ländern sind die Emirate ziemlich tolerant Ausländern gegenüber. Und Dubai ist da entspannter, als die meisten anderen Städte. Man sollte bestimmte Grenzen nicht überschreiten (z.b. mit freien Oberkörper am Strand sonnen) und auch provokantes Auftreten wird nicht so gern gesehen. Aber was das angeht ist es in jedem Land so - keiner sieht es gerne, wenn die eigene Kultur von Fremden nicht respektiert wird. Man kann hier als Frau auch alleine abends weg gehen, ohne dass man Angst haben muss. Vor allem, weil man in den Kneipen sowieso hauptsächlich Europäer trifft.
Was ich allerdings hier komisch finde, ist die Tatsache, dass die Einheimischen es nicht so gerne sehen, wenn ihre traditionelle Kleidung von den Fremden getragen wird. Dabei ist sie doch so schön!!! Ok, die ganz traditionelle Frauenkleidung ganz in schwarz mit einer Maske vorm Gesicht wäre natürlich extrem bei der Hitze. Aber es gibt sehr schöne schlichte Leinenkleider, die sehr bequem aussehen. Was Frauenkleidung angeht, ist das allerdings nicht so streng. Ich könnte so ein Kleid auch tragen, wenn das nicht so teuer wäre. Aber wenn mann als ausländischer Mann die männliche Kleidung Dishdasha trägt, sind die Araber ziemlich beleidigt. Die langen leichten weissen Hemden mit dem weissen Tuch auf dem Kopf, einer kleinen Haube drunter und zwei Filzrollen darüber, zum festhalten … das sieht so verdammt gut aus! Ich verstehe sie schon: Einerseits bedeutet diese Kleidung für sie nicht nur Körperbedeckung, sondern auch ein nationales Symbol. Andererseits kann das ganz schön behämmert aussehen, wenn so ein weisser Clown durch Stadt damit gurkt und Leute verwirrt … vielleicht …
Nein , ich schweife nicht ab! Immerhin gehört das dazu, sich als Frau Gedanken über die Kleidung zu machen, oder?
Als ich gestern nach arabischen Sprichwörtern recherchiert hab, ist mir das hier besonders aufgefallen: «The son of a son is dear, the son of a doughter a stranger». Tja, soviel zu der Frauenrolle. Und dann noch die Sache mit dem «Frauen und Kinder vorm Chatten schützen», das ich schon in meinem Leute-Eintrag beschrieben hatte. Es gibt auch immer noch Frauenbereiche in den Hallen der Einkaufszentren und in den Bussen (bin aber noch nie hier Bus gefahren), allerdings habe ich das Gefühl, dass sie nur von Frauen benutzt werden, die besonders auf Tradition achten. Es wird nichts erzwungen.
Arabische Frauen habe ich bis jetzt nur in den großen Shopping-Centern gesehen. Sehr cool sehen sie dabei aus. Sie tragen fast ausschliesslich schwarze Gewänder und Kopfbedeckung und sehr wenige haben Burkas an. In der Highsociety wird von den einheimischen Frauen auch gewagtere Garderobe angezogen, die nicht unbedingt frömmer aussieht, als die von den zahlreichen Russinnen hier (ich meine jetzt nicht mich, nein, das ist gar nicht meine Zielgesellschaft). Was ich damit sagen will ist, man kann hier nur in einem Shoppingcenter die Einheimischen (Frauen, die Männer sind eh tabu, auch aus meiner Sicht) kennen lernen (Geschäftsleben natürlich ausgenommen) und dafür gehe ich einfach zu selten und ungern schoppen. Man könnte natürlich auch eine nette Familie als Nachbarn haben. Dafür sind die einheimischen Araber allerdings zu reich und fromm, um irgendwo in einem Viertel zu wohnen, der nicht aus allen Ecken nach Geld sprotzt (sorry, mir ist kein anderes Wort eingefallen). Das heisst – nix mit Arabisch Lernen.
Einen Weg gibt es doch! Man müsste dafür aus Versehen einen Hausfriedensbruch begehen. Ein Bekannter, der hier in Dubai seit einem halben Jahr wohnt, erzählte gestern, das er mit einer Freundin, auf der Suche nach einem Restaurant auf ein Hof raufkam. Das sah sehr nach einem öffentlichen Veranstaltungsgrundstück aus, es gab Billard-Tische und Lichterketten im Garten. Irgendwann wurden sie dann von einer ganzen Familie umzingelt und von der Polizei geschnappt, weil es sich um ein privates Grundstück handelte. Nach langen Erklärungen und Verhandlungen und durch die Tatsache, dass er eine Frau dabei hatte (!), hat man den beiden geglaubt und das ganze Unglück mit einer Einladung zum Essen auf der Yacht der Familie abgewendet.
Fazit: Ich kann nicht klagen, ich fühle mich überhaupt nicht eingeschränkt hier und habe schon viele sehr nette Menschen kennen gelernt …
Na toll, jetzt habe ich zu viel geschrieben. Ich hoffe, das liest überhaupt jemand